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Mein Studium im deutsch-französischen Studiengang Fahrzeugtechnologie begann zum SS 1995 und endete zum SS 1998 mit der Verleihung der beiden französischen Diplome (DESS & DEA) an der ENSMM in Besançon.
Ich stieg von der TU Karlsruhe kommend zum SS 95 quer in das 2.Semester des Studiengangs Fahrzeugtechnologie ein. Dort habe ich parallel die Vorlesungen des 2. und 4. Semesters gehört und die Tutorien für Technische Mechanik im 2. und 4. Semester gehalten. Im Sommer 95 konnte ich so alle notwendigen Klausuren / Prüfungen der Semester 1-4 ablegen und bestehen (mehr als 15, teilweise 3 pro Tag und mit zeitlicher Überschneidung). Zum WS 95 wechselte ich in das 5. Semester, hielt Tutorien in Semester 1. + 5. und war zusätzlich noch in der Studentenvertretung des Studiengangs tätig. Dort habe ich aktiv an der ersten Studienordnung mitgearbeitet. In dieser Funktion habe ich 1997/98 deren Neufassung angeregt und diese mit gestaltet.
SS96 absolvierte ich mein „Ingenieur“- Praktikum bei Peugeot (PSA) in Sochaux, Frankreich. Thema: Optimierung der Frontmodul Vormontage des 605. Ergebnis: Reduzierung des AK - Bedarfs von drei auf ein AK pro Schicht. / netto. Dieses Praktikum war die perfekte Möglichkeit um in die französische Sprache hinein zu wachsen.
=> wirklich empfehlenswert!
In Sochaux erzählte mir 1996 ein algerischer Arbeiter, das es ca. 1 Jahr dauert bis man Französisch einigermaßen beherrscht und ein weiteres Jahre bis man nicht nur alles versteht sondern sich auch entsprechend verständigen kann.
=> Er sollte mit seiner Aussage recht behalten. Zusätzlich hat es noch 2 weitere Jahre gedauert (bis 2000), bis ich mein Französisch perfektioniert hatte. Leider lebe ich nun schon wieder seit 2002 Jahren im deutschen Sprachraum, wodurch sich mein Niveau in Französisch sich langsam wieder dem Stand von 1998 nähert.
=> eine Fremdsprache perfekt zu beherrschen ist ein langer Prozess und bedarf nicht nur der Geduld sondern auch des ständigen Trainings.
Zum WS 1996 fingen die ersten vier deutschen Studenten des Studiengangs Fahrzeugtechnologie an der ENSMM an. Die Idee war es, diese als „admis sur titre“ zusammen mit Absolventen von franz. Universitäten quer in das 2. Jahr an der ENSMM einsteigen zu lassen. Hierfür gab es vor Semesterbeginn einen zweiwöchigen Vollzeit- Vorbereitungskurs auf Französisch (für die französischen Teilnehmer (ca. 10) sowie uns 4 Deutsche). In diesem Kurs sollten die Lerninhalte des ersten Jahrs an der ENSMM vermittelt werden. Da wir 4 nicht darauf vorbereitet waren, weder richtig in Besançon eingezogen noch gemeldet waren kam hier zum Start der erste Schock zum Start. Wir verstanden zum einen nur die Hälfte (und das lag nicht nur am Französisch, sondern auch an der fehlenden mathematischen Vorkenntnis) und zu anderen konnten wir nicht an allen Kursen teilnehmen, da wir parallel noch mit der „préfecture“ bezüglich unserer Anmeldung kämpften. (1996 gab es noch keinen € sondern DM und FF und man brauchte noch eine Aufenthaltserlaubnis (Carte de séjour) für Studium und Arbeit.)
Da wir unser „Ingenieurpraktikum“ schon absolviert hatten (in der ENSMM war dies erst im 2. Studienjahr vorgesehen) mussten wir unseren Praktikumsbericht (natürlich auf Französisch) zum Semesterbeginn 96 an der ENSMM vorstellen. Als ich meinen Praktikumsbericht vor allen Studenten des nun 3. Jahres vorstellte, wurde ich von meinem betreuenden franz. Professor ausdrücklich gelobt! Denn ich hatte den Bericht mit den wenigsten Rechtschreibfehlern abgeliefert, den er in seiner bisherigen Karriere (in ca. 15 Jahren) gesehen hatte. Es gab insgesamt nur 3 Schreibfehler auf ca. 45 Seiten. Gott war mir das peinlich, typisch deutsch. Spricht kaum ein Wort und liefert eine „perfekte“ Arbeit ab. Dabei wollte ich mir nur bei der Erstellung des Berichts keine Blöße erlauben und habe damals die gesamte Abteilung bei Peugeot tyrannisiert um den Bericht von so vielen Leuten wie möglich Korrektur lesen zu lassen. Ich glaube das Korrekturlesen hat länger gedauert (ca. 4 Wochen) als den Bericht zu erstellen und anschließen kannte halb Peugeot den Bericht auswendig, aber trotzdem hatte er noch 3 Fehler!! Nach diesem Auftritt war ich an der ENSMM nicht nur bekannt wie ein bunter Hund sondern auch als Perfektionist abgestempelt.
Das 2. Studienjahr an der ENSMM war das anspruchsvollste, da es nicht nur die meisten Fächer, den vollsten Stundenplan und die schwierigsten Übungen hatte, sondern auch die höchste Durchfallquote besaß. Und in dieses Jahr stiegen wir vier Deutsche mit wenig Vorbereitung ein! Zum Glück hatte jeder von uns einen franz. „Bi-Nom“ (Laborpartner) für die Übungen und so mancher Prof. war bezüglich unserer Wissenslücken anfänglich etwas nachsichtiger als bei einem Franzosen. Doch trotzdem stellte sich schnell heraus, das unter diesen Bedingungen (als Sardine unter den Haien. d.h. Ausländer mit wenig Vorkenntnis des franz. Lehrstoffs) es für uns nur ums Überleben (Bestehen) gehen wird, nicht um eine gute Note zu erzielen. Da selbst für einen französischen Studenten dieses Studienjahr sehr anspruchsvoll ist (viele Themen in kurzer Zeit), zeigte es sich als überlebenswichtig, ob ein ausländischer Student (also wir 4) in der Lage war das neu erlernte Wissen in Französisch aufzunehmen und anwenden zu können, ohne es in seine Muttersprache (Deutsch) übersetzen zu müssen. Dies gelang leider nur Hrn. Flörchinger und mir. So stiegen zwei von uns nach den Klausuren im Januar aus und gingen zum SS 97 zurück an die FH.
Es war üblich die meisten Klausuren des Jahres direkt nach den Weihnachtsferien zu schreiben. Für die Studenten des 2. Studienjahrs an der ENSMM bedeutete dies eine Woche lang in der Aula der ENSMM bei ca. 10-15° C Temperatur (da natürlich in den Ferien nicht geheizt wurde und das Gebäude bei -5° C Außentemperatur nicht nur stark auskühlt, sondern auch lange braucht um den Luftraum der Eingangshalle wieder auf Temperatur zu bringen) 4 – 5 Klausuren am Tag zu schreiben.
=> Ein wahrer Alptraum!
Wir wussten nicht was schlimmer ist: Die Kälte, 4 Klausuren am Tag (ohne Hilfsmittel) oder dass alles (nach zwei Wochen in Deutschland) wieder auf Französisch war! Schon am zweiten Tag saß ich mit Stiefeln, Lederhose und zwei Pullis sowie einer Thermoskanne Kaffee an meinem Platz in der Aula. Wir Deutschen durften als einzige ein Buch, ein Wörterbuch auf dem Tisch haben. Sonst war auf dem Tisch nur ein Lineal, ein Taschenrechner (natürlich nicht programmierbar) und Stifte in max. 3 Farben erlaubt. Ich kann mich noch gut erinnern, dass alle Studenten heil froh waren als diese Woche endlich vorbei war.
Ab hier trennten sich die Wege, zwei meiner deutschen Studienkollegen kehrten im Feb. 1997 zurück nach Karlsruhe. Hr. Flörchinger und ich bissen uns noch bis zum April durch und bestanden dieses Studienjahr. Da normalerweise im Anschluss an das zweite Studienjahr alle Studenten der ENSMM Ihr „Ingenieur-Praktikum“ durchführen, das wir Deutschen schon vor Beginn des Studiums in Frankreich durchgeführt hatten, konnten wir diese „freie Zeit“ nutzen um unsere Diplomarbeit für das FH- Diplom in Fahrzeugtechnologie zu schreiben. Während Hr. Flörchinger hierfür in Besançon blieb und seine Arbeit dort an der Uni schrieb, ging ich nach Köln zum Renault Institut für Qualität und Management. Ich erarbeitete dort im Rahmen meiner Diplomarbeit ein Bewertungsinstrument zur Unternehmensbewertung anhand von TQM- Kriterien. Bei dieser Arbeit konnte ich erstmals meine deutsch-französischen Kenntnisse und Ausbildungserfahrungen mit Erfolg anwenden. Im September 1997 stellten Hr. Flörchinger und ich unsere Diplomarbeiten an der FH- Karlsruhe vor. Für die Vorstellung erhielt ich eine 1,3 für die Diplomarbeit eine 1,0. Somit waren Hr. Flörchinger und ich die ersten beiden, die Ihr FH- Diplom im Studiengang Fahrzeugtechnologie zum Ende des SS 97 erhielten. Ab diesem Zeitpunkt waren wir in Deutschland exmatrikuliert und nur noch an der ENSMM eingeschrieben. Unsere Diplomabschlussfeier an der FH fand im Dez. 97 statt.
Ab Oktober 1997 ging unser zweites Jahr in Frankreich mit dem Studium im 3. Studienjahr der ENSMM weiter. Ab diesem Zeitpunkt waren wir nicht mehr die einzigen Deutschen an der ENSMM, denn so wie wir ein Jahr zuvor fingen zwei weitere Deutsche an als „admis sur titre“ in das 2. Studienjahr der ENSMM einzusteigen. Doch sie hatten den Vorteil, dass wir nicht nur sie sondern auch die Professoren in Deutschland und Frankreich im Vorfeld auf die schwierigen Rahmenbedingungen hinweisen und vorbereiten konnten. Somit verlief Ihr Antritt an der ENSMM zwar anstrengend, aber mit mehr Absicherung und Unterstützung durch die Professoren und uns. Für sie gab es auch französische Studienkollegen, die nicht nur Ihre Laborpartner waren, sondern dann auch ihr 3. Studienjahr der ENSMM an der FH- Karlsruhe absolvierten.
Alle nachfolgenden Absolventen dieses deutsch- französischen Studiengangs fingen dann im 1. Studienjahr an der ENSMM an und gingen im 2. gemeinsam mit ihren franz. Studienkollegen nach Deutschland, um den deutschen Abschluss zu erhalten.
Für Herrn Flörchinger und mich war dieses zweite Jahr an der ENSMM deutlich entspannter und wir entschieden uns beide zusätzlich zum Diplom der ENSMM auch noch Kurse an der Uni zu belegen, um (wie in Frankreich üblich) zusätzlich noch das Diplom der Universität Franche Comte zu erhalten. Dieses Diplom ist zwar für einen Franzosen nur interessant, wenn er noch promovieren will und eine Karriere in Forschung oder Lehre anstrebt. Für uns Deutsche war es aber das einzige Diplom, das damals über das Länderankommen in Deutschland anerkannt war.
=> Uni Anschluss, Promotionsberechtigung auch in Deutschland.
So schrieb ich im Frühjahr 1998 meine Diplomarbeiten für die ENSMM, natürlich auf Französisch. Im Juni 1998 erhielten wir (Flörchinger und ich) zusammen mit allen Absolventen des Jahrgangs 98 unser Diplom der ENSMM. Die Verleihung fand (mit Angehörigen) in der Aula der ENSMM statt.
Im September 1998 kehrte ich noch einmal an die ENSMM zurück um meine Diplomarbeit für die Uni zu beenden und vorzustellen. So beendete ich eine aufregende und von drei Diplomen gekrönte Zeit des Studiums zum SS1998.